Devotional

Tochter Zion, freue dich: Text, Herkunft und Bedeutung

Eine kleine weiße Landkapelle mit Kreuz steht zwischen grünen Bäumen unter einem sanften blauen Himmel.

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„Tochter Zion, freue dich“ hat drei Strophen, die Melodie stammt von Georg Friedrich Händel (1747), der deutsche Text von Friedrich Heinrich Ranke (um 1820, gedruckt 1826). Es steht im Evangelischen Gesangbuch als Nummer 13 und im Gotteslob als Nummer 228, beide Male unter den Adventsliedern. Hier findest du den vollständigen Text, die Geschichte dahinter und die Bibelstellen, aus denen fast jede Zeile stammt.

Die meisten Leute können die erste Strophe, und dann wird es dünn.

Das liegt am Lied selbst. Die Melodie ist so bekannt, dass der Text dahinter verschwindet, und die zweite und dritte Strophe bestehen fast nur aus Anrufungen, die man leicht verwechselt. Deshalb steht der Text hier ganz oben.

Der vollständige Text von „Tochter Zion, freue dich“

Text nach dem Evangelischen Gesangbuch (EG 13). Das Gotteslob (GL 228) druckt dieselben drei Strophen. Ranke starb 1876, der Text ist gemeinfrei, du darfst ihn abschreiben und verteilen.

1. Strophe

Tochter Zion, freue dich, jauchze laut, Jerusalem! Sieh, dein König kommt zu dir, ja er kommt, der Friedefürst. Tochter Zion, freue dich, jauchze laut, Jerusalem!

2. Strophe

Hosianna, Davids Sohn, sei gesegnet deinem Volk! Gründe nun dein ewig Reich, Hosianna in der Höh! Hosianna, Davids Sohn, sei gesegnet deinem Volk!

3. Strophe

Hosianna, Davids Sohn, sei gegrüßet, König mild! Ewig steht dein Friedensthron, du, des ewgen Vaters Kind. Hosianna, Davids Sohn, sei gegrüßet, König mild!

In älteren Drucken steht „Friedensfürst“ statt „Friedefürst“ und „ew’ges Reich“ statt „ewig Reich“. Beides ist richtig, das Gesangbuch hat sich für die Fassung ohne Apostroph entschieden.

Woher das Lied kommt

Die Melodie ist älter als der Text und hat mit dem Advent zunächst nichts zu tun.

Händel schrieb sie 1747 für sein Oratorium „Joshua“, als Chor zum Einzug eines siegreichen Feldherrn: „See, the conqu’ring hero comes“. Der Chor gefiel so, dass Händel ihn 1751 in die überarbeitete Fassung von „Judas Maccabaeus“ übernahm, und dort kennen ihn heute die meisten. Es ist Musik für einen Triumphzug, mit Pauken und Trompeten.

Friedrich Heinrich Ranke war evangelischer Theologe in Erlangen, der jüngere Bruder des Historikers Leopold von Ranke. Um 1820 verkehrte er im Haus des Geologen Karl Georg von Raumer, wo abends gesungen wurde, und für diesen Kreis legte er Händels Melodie einen neuen Text unter.

Gedruckt wurde das Lied 1826 in Hamburg, in der Sammlung „Christliche, liebliche Lieder“ von Louise Reichardt, Raumers Schwägerin. Dort stand es noch beim Einzug Jesu in Jerusalem, also beim Palmsonntag.

Rankes Text hat mit dem englischen Original nur die Melodie gemein. Aus dem Helden, der vom Schlachtfeld heimkehrt, macht er einen König, der auf einem Esel kommt und Frieden bringt.

Ich finde, das ist die bessere Verwendung dieser Melodie. Händel feiert einen Sieg, Ranke feiert, dass keiner nötig ist.

Die vergessene vierte Strophe

Ranke hat vier Strophen geschrieben. Die Gesangbücher drucken drei.

Weggefallen ist die ursprüngliche dritte Strophe, in der der König „demütiglich“ auf dem „Eselein“ in die Stadt reitet. Sie erzählt den Palmsonntag am genauesten, und vermutlich ist sie deshalb verschwunden: Als das Lied in den Advent wanderte, passte der Esel nicht mehr ins Bild.

Wer das Lied in einem Gottesdienst zum Palmsonntag singt, darf sie ruhig wieder dazunehmen. Der Text steht in den Liederarchiven.

Was „Tochter Zion“ bedeutet

Zion ist der Tempelberg in Jerusalem, und „Tochter Zion“ ist in der Bibel ein Name für die Stadt und ihre Bewohner. Die Propheten reden Jerusalem an wie eine junge Frau, mal tröstend, mal mahnend.

Im Lied ist die Tochter Zion also niemand Bestimmtes. Angesprochen ist die Gemeinde, die singt, und ihr wird gesagt, dass ihr König kommt.

„Hosianna“ ist hebräisch und heißt „Hilf doch!“. Aus dem Hilferuf wurde im Lauf der Zeit ein Jubelruf, so wie bei uns ein „Gott sei Dank“ längst kein Gebet mehr sein muss. „Davids Sohn“ ist der erwartete König aus der Familie Davids, ein Titel, den die Menge beim Einzug in Jerusalem Jesus zuruft.

4 Bibelverse, aus denen das Lied gebaut ist

Fast jede Zeile hat eine Bibelstelle hinter sich. Diese vier reichen, um das ganze Lied zu verstehen. Die Verse stehen in der Übersetzung Martin Luthers von 1912.

1. Sacharja 9,9

„Aber du, Tochter Zion, freue dich sehr, und du, Tochter Jerusalem, jauchze! Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer, arm, und reitet auf einem Esel und auf einem jungen Füllen der Eselin.“

Die erste Strophe ist dieser Vers, fast Wort für Wort. Der Prophet verspricht Jerusalem einen König, der arm kommt, und das Lied nimmt die Freude daraus.

2. Matthäus 21,5

„Saget der Tochter Zion: Siehe, dein König kommt zu dir sanftmütig und reitet auf einem Esel und auf einem Füllen der lastbaren Eselin.“

Matthäus zitiert Sacharja, als Jesus nach Jerusalem reitet. Damit ist gesagt, wer der König aus der ersten Strophe ist.

3. Matthäus 21,9

„Hosianna dem Sohn Davids! Gelobt sei, der da kommt in dem Namen des HERRN! Hosianna in der Höhe!“

Der Ruf der Menge am Stadttor. Die zweite und dritte Strophe sind dieser eine Vers, in Reime gebracht.

4. Psalm 118,26

„Gelobt sei, der da kommt im Namen des HERRN!“

Die Menge in Jerusalem ruft einen Psalmvers, den jeder kannte, weil er zum Festgesang beim Einzug in den Tempel gehörte. Das Lied steht damit in einer Reihe, die bis in den Tempel zurückreicht.

Der „Friedefürst“ aus der ersten Strophe stammt aus einem fünften Vers, Jesaja 9,5, dem bekanntesten Weihnachtsvers des Alten Testaments. Mehr davon bei den Bibelversen zu Weihnachten.

Warum ein Palmsonntagslied im Advent gesungen wird

Das Lied erzählt den Einzug in Jerusalem. Gesungen wird es aber vier Wochen vor Weihnachten, und das hat einen liturgischen Grund.

Das Evangelium des 1. Advents ist seit Jahrhunderten Matthäus 21,1-9, also genau der Einzug in Jerusalem. Die Kirche liest zum Beginn des Kirchenjahres, wie der König kommt, und deutet die Geburt in Bethlehem von dort aus.

Ein Lied zu dieser Lesung gehört damit von selbst an den 1. Advent.

Dass es dort blieb, liegt an der Melodie. Sie klingt nach Erwartung und nach großem Auftritt, und beides passt zum Advent besser als zur Karwoche, in der der Einzug schon den Schatten des Karfreitags trägt.

Dieselbe Melodie singen englischsprachige Gemeinden übrigens an Ostern, mit dem Text „Thine be the glory“. Händels Chor hat es in drei Feste geschafft.

Wo und wie du das Lied im Advent singst

Der klassische Ort ist der Gottesdienst am 1. Advent, meist als Eingangslied. Dazu kommen Adventskonzerte, Schulen, Posaunenchöre und das Adventssingen auf dem Weihnachtsmarkt, wo es neben „Macht hoch die Tür“ das Lied ist, das alle mitsingen können.

Zu Hause eignet es sich für die erste Kerze. Eine Strophe reicht, wenn die Kinder noch klein sind, und die erste Strophe können auch Gäste, die sonst nichts singen.

Wenn ihr am Adventssonntag eine kurze Hausandacht haltet, passt das Lied an den Anfang, vor die Lesung. Vorschläge dafür stehen bei den Adventsandachten, und die Termine der vier Sonntage findest du beim Advent im Überblick.

Für die Abende dazwischen: In der Still-App gibt es für jeden Tag der Adventszeit eine kurze Andacht und ein Abendgebet, von einer deutschen Sprecherin gelesen, damit von der Zeit bis Weihnachten mehr bleibt als die Termine. Lade Still im App Store. Wie sich die Apps in diesem Bereich unterscheiden, zeigt der Vergleich der Andachts-Apps.

Häufige Fragen

Wer hat „Tochter Zion, freue dich“ geschrieben?

Den Text Friedrich Heinrich Ranke, ein evangelischer Theologe aus Erlangen, um 1820. Die Melodie ist von Georg Friedrich Händel aus dem Jahr 1747.

Aus welchem Werk von Händel stammt die Melodie?

Aus dem Oratorium „Joshua“ (1747). Händel übernahm den Chor 1751 in „Judas Maccabaeus“, wo er als „See, the conqu’ring hero comes“ bekannt wurde.

Wo steht das Lied im Gesangbuch?

Im Evangelischen Gesangbuch unter Nummer 13, im Gotteslob unter Nummer 228, jeweils bei den Adventsliedern.

Ist „Tochter Zion“ ein Weihnachtslied oder ein Adventslied?

Ein Adventslied. Es wird vor allem am 1. Advent gesungen, weil an diesem Sonntag der Einzug Jesu in Jerusalem gelesen wird, den das Lied beschreibt.

Was bedeutet „Hosianna“?

Wörtlich „Hilf doch!“, aus dem Hebräischen. In der Bibel und im Lied ist es ein Jubelruf, mit dem der König begrüßt wird.

Noch nicht der richtige Vers? Zieh einen zufälligen Bibelvers

Fazit: Ein Lied, das den Advent laut beginnen lässt

„Tochter Zion, freue dich“ ist das lauteste Lied im Adventsteil des Gesangbuchs, und genau dafür ist es da. Bevor die vier stillen Wochen anfangen, sagt es einmal mit voller Stimme, wer da kommt.

Wer den Text kennt, hört die Bibel darin: Sacharja, Matthäus, einen Psalm. Und wer die Geschichte kennt, hört einen Theologen aus Erlangen, der aus einem Siegeschor ein Friedenslied gemacht hat.

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