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Der Wochenspruch ist ein Bibelvers, der über einer ganzen Woche steht, von Sonntag zu Sonntag. Er wird nicht gelost, sondern kommt aus der revidierten Perikopenordnung der evangelischen Kirche, die seit dem 1. Advent 2018 gilt und jedem Sonntag einen eigenen Namen, einen Wochenspruch und einen Wochenpsalm zuordnet. Im Losungsbüchlein findest du ihn als Überschrift über den sieben Tageseinträgen. Unten steht, wie er sich von Losung und Lehrtext unterscheidet, wie du den für diese Woche in einer halben Minute findest und wie du ihn durch die sieben Tage trägst.
Leicht zu übersehen, und doch gibt er der Woche ihren Ton.
Was ist der Wochenspruch?
Ein Bibelvers, der über einer ganzen Woche steht, meist von Sonntag zu Sonntag, und ihr Thema im Kirchenjahr in einem Satz zusammenfasst.
Anders als die tägliche Losung wird er nicht gelost. Während für jeden Tag ein alttestamentlicher Vers aus einer Sammlung von 1.824 Versen gezogen wird, hängt der Wochenspruch an einer festen Ordnung, die jedem Sonntag sein Wort zuweist.
In den Herrnhuter Losungen steht er deshalb als Überschrift über den sieben Tageseinträgen, zusammen mit dem Wochenpsalm. So bekommt jede Woche einen eigenen Klang, noch bevor der erste Tag beginnt.
Woher kommt der Wochenspruch?
Nicht aus Herrnhut, sondern aus der gemeinsamen Leseordnung der evangelischen Kirche. Die heute geltende revidierte Perikopenordnung wurde am 1. Advent 2018, dem 2. Dezember, in den Landeskirchen eingeführt (Revidierte Perikopenordnung, Nordkirche 2018).
Diese Ordnung regelt mehr als die Predigttexte. Jedem Sonn- und Festtag sind darin zwei Lieder, ein Psalm, ein Bibelvers als Spruch der Woche und ein Vers als Halleluja-Antiphon zugeordnet. Bei der Revision wurde der Anteil alttestamentlicher Texte von knapp einem Fünftel auf ein Drittel angehoben, sodass an den meisten Sonntagen inzwischen zwei Texte aus dem Alten Testament stehen.
Die Losungen übernehmen diese Wochensprüche und stellen sie über ihre Tagestexte. So verbinden sich zwei Traditionen: das tägliche Losen aus Herrnhut und der große Rhythmus des Kirchenjahres.
Der Wochenspruch ist damit ein Wort, das nicht nur du liest, sondern das in derselben Woche in vielen Kirchen gepredigt und gebetet wird.
Was ist der Unterschied zu Losung und Lehrtext?
Vor allem der Zeitraum und die Herkunft. Im Losungsbüchlein stehen mehrere Worte nebeneinander, und es hilft, sie auseinanderzuhalten:
- Die Losung. Täglich, aus dem Alten Testament, gelost.
- Der Lehrtext. Täglich, aus dem Neuen Testament, zur Losung gewählt.
- Der Wochenspruch. Wöchentlich, aus der Perikopenordnung des Kirchenjahres.
- Der Monatsspruch. Monatlich, ein Leitwort für den Monat, festgelegt von der Ökumenischen Arbeitsgemeinschaft für Bibellesen.
- Die Jahreslosung. Jährlich, ein Wort über dem ganzen Jahr, ebenfalls von der ÖAB.
Man kann es sich als Kreise denken: der Tag, die Woche, der Monat, das Jahr. Der Wochenspruch ist der mittlere Ring, größer als der einzelne Tag, kleiner als das Jahr. Nur der innerste dieser Kreise wird gelost, alle anderen sind ausgewählt.
Wenn dich die tägliche Fülle überfordert, ist der Wochenspruch ein guter Anfang: ein Vers für sieben Tage, den du wirklich behalten kannst.
Wie finde ich den Wochenspruch für diese Woche?
Über den Namen des zurückliegenden Sonntags, nicht über das Datum. Der Wochenspruch wechselt jeden Sonntag, und er steht nicht in jedem Kalender. Drei Wege, die zuverlässig funktionieren:
- Im Losungsbüchlein. Blättere zum kommenden Sonntag. Der Wochenspruch steht über dem Tageseintrag, zusammen mit dem Wochenpsalm.
- Über den Sonntagsnamen. Jeder Sonntag im Kirchenjahr hat einen eigenen Namen, etwa Kantate, Estomihi oder Ewigkeitssonntag, und an diesem Namen hängt der Wochenspruch fest. Wer den Namen kennt, findet den Vers in jedem Perikopenverzeichnis.
- Online. Die Brüdergemeine und die Landeskirchen stellen die Wochensprüche für das laufende Kirchenjahr frei ins Netz.
Der zweite Weg ist der lohnendste, weil er dich unabhängig macht. Das Kirchenjahr wiederholt sich, die Sonntagsnamen bleiben, und der Wochenspruch bleibt mit ihnen.
Warum fällt ein Wochenspruch nicht jedes Jahr auf dasselbe Datum?
Weil Ostern wandert. Die Zuordnung Sonntag zu Wochenspruch ist fest. Das Datum ist es nicht.
Mit Ostern wandert die halbe Kirchenjahreshälfte. Der Ostertermin kann zwischen dem 22. März und dem 25. April liegen, eine Spanne von fünf Wochen; derselbe Wochenspruch steht deshalb in einem Jahr Ende März über der Woche und im nächsten Mitte April. Wann Ostern in den kommenden Jahren fällt, steht in unserem Überblick Wann ist Ostern.
Wer sich fragt, warum ein Wochenspruch „schon wieder“ kommt oder scheinbar ausfällt, hat meist nur die verschobene Osterrechnung vor sich.
Wie trage ich den Wochenspruch durch die Woche?
Einmal am Sonntag lesen, sichtbar aufschreiben, am Abend zurückfragen. Der Wochenspruch ist gemacht, um zu bleiben, nicht um an einem Morgen gelesen und vergessen zu werden. Ein paar einfache Wege:
- Am Sonntag lesen. Lies den Wochenspruch bewusst zu Beginn der Woche, langsam, gern zweimal.
- Aufschreiben. Schreib ihn auf einen Zettel an den Spiegel oder als Notiz aufs Handy.
- Am Abend zurückfragen. Wo ist mir dieses Wort heute begegnet? Manchmal zeigt sich der Vers erst im Rückblick.
- Am nächsten Sonntag loslassen. Ein neues Wort kommt. Was das alte gewirkt hat, darf bleiben.
So wird aus einem Vers kein Pflichtprogramm, sondern ein leiser Begleiter, der eine ganze Woche lang mit dir geht.
Den Wochenimpuls hören statt suchen
Manchmal fehlt am Sonntag die Ruhe, sich hinzusetzen und den Vers auf sich wirken zu lassen. Dann hilft es, den Impuls zu hören, statt ihn dir abzuverlangen.
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Wie du einen Vers weiter aufschließt, zeigt unsere Losung mit Auslegung; den passenden Rahmen geben Morgengebete und Abendgebete.
Häufige Fragen
Was ist der Wochenspruch in den Losungen? Ein Bibelvers, der über einer ganzen Woche steht und ihr Thema zusammenfasst. In den Herrnhuter Losungen steht er als Überschrift über den sieben Tagestexten.
Wird der Wochenspruch gelost? Nein. Anders als die tägliche Losung folgt der Wochenspruch der festen Leseordnung des Kirchenjahres, die jedem Sonntag ein Wort zuordnet.
Was ist der Unterschied zwischen Wochenspruch und Monatsspruch? Der Wochenspruch gilt für eine Woche und kommt aus der Perikopenordnung des Kirchenjahres. Der Monatsspruch gilt für einen Monat und wird von der Ökumenischen Arbeitsgemeinschaft für Bibellesen festgelegt, zusammen mit der Jahreslosung. Beide ergänzen die tägliche Losung: Tag, Woche, Monat, Jahr.
Wo finde ich den Wochenspruch? In jedem Losungsbüchlein steht er über den Tageseinträgen, außerdem online auf den Seiten der Brüdergemeine und in kirchlichen Kalendern.
Was ist der Wochenspruch für diese Woche? Er hängt am Namen des zurückliegenden Sonntags, nicht am Datum. Schlag im Losungsbüchlein den letzten Sonntag auf: Der Vers, der über der Woche steht, gilt bis zum kommenden Sonntag.
Heißt es Wochenspruch oder Wochenlosung? Beides ist gebräuchlich, gemeint ist derselbe Vers. „Wochenspruch“ ist der Begriff der evangelischen Leseordnung, „Wochenlosung“ sagen vor allem Leserinnen und Leser der Herrnhuter Losungen, in Analogie zur Tageslosung.
Gibt es auch einen Wochenpsalm? Ja. Neben dem Wochenspruch steht in den Losungen ein Wochenpsalm, ein ganzer Psalm für dieselben sieben Tage. Er stammt aus derselben Leseordnung und wird ebenfalls nicht gelost.
Seit wann gilt die heutige Zuordnung der Wochensprüche? Seit dem 1. Advent 2018. An diesem Tag wurde die revidierte Perikopenordnung in den Landeskirchen eingeführt; sie legt für jeden Sonn- und Festtag Predigttexte, Lieder, Psalm und Wochenspruch fest.
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Fazit: Ein Wort für sieben Tage
Der Wochenspruch ist das ruhige Rückgrat der Woche: ein Vers, der über sieben Tagen steht und ihnen eine Richtung gibt.
Wenn ich zwischen Tageslosung und Wochenspruch wählen müsste, würde ich beim Wochenspruch anfangen. Ein Vers pro Tag ist leicht zu lesen und schwer zu behalten; einer pro Woche hat sieben Anläufe, um sich festzusetzen. Lies ihn am Sonntag, lass ihn mitgehen, und schau am Freitag zurück. Oft hat dich ein einziger Satz weiter getragen, als du beim Lesen gedacht hättest.